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Das Jugendschutzgesetz

Jugendschutz

Im März 1999 gab das Kreisjugendamt Limburg-Weilburg in erster Auf 1a1 ge die Broschüre „Jugendschutz und Discoveranstaltungen — Informationen und Hinweise für Veranstalter” heraus. Das Inkrafttreten des neuen Jugendschutzgesetzes (JuSchG) am 1. April 2003 hat es erforderlich gemacht, die Broschüre zu überarbeiten und neu aufzulegen. Bei der Durchführung von Discoveranstaltungen müssen vom Veranstalter bestimmte Vorschriften nach dem Jugendschutzgesetz beachtet werden. Diese werden hier auszugsweise dargestellt und entsprechend erläutert.

Wir hoffen, dass die Auszüge dazu beitragen, Organisatoren von Disco-Veranstaltungen bei der Planung und Ausrichtung zu unterstützen.

4. Abgabe alkoholischer Getränke
4.1 Gesetzliche Grundlage gemäß § 9 JuSchG
(1) In Gaststätten, Verkaufsstellen oder sonst in der Öffentlichkeit

1. dürfen Branntwein, branntweinhaltige Getränke oder Lebensmittel, die Branntwein in nicht nur geringfügiger Menge enthalten, an Kinder und Jugendliche,

2. andere alkoholische Getränke an Kinder und Jugendliche unter sechzehn Jahren weder abgegeben noch darf ihnen der Verzehr gestattet werden.

(3) in der Öffentlichkeit dürfen alkoholische Getränke nicht in Automaten angeboten werden.

Dies gilt nicht, wenn ein Automat

1. an einem für Kinder und Jugendliche unzugänglichen Ort aufgestellt ist

2. oder in einem gewerblich genutzten Raum aufgestellt und durch technische Vorrichtungen oder durch ständige Aufsicht sichergestellt ist, dass Kinder und Jugendliche alkoholische Getränke nicht entnehmen können.

4.2 Erläuterung
Das Suchtmittel, das in unserer Gesellschaft am häufigsten konsumiert wird, ist Alkohol. Der durchschnittliche Konsum an reinem Alkohol liegt in der Bundesrepublik Deutschland jährlich bei 11 Litern pro Person. In der Bundesrepublik leben ca. 1,7 Millionen Alkoholabhängige, darunter sind ca. 250.000 junge Menschen.

Durch überhöhten Alkoholkonsum können u.a. Körperorgane wie Leber, Nervensysteme und Gehirn geschädigt werden. Zudem besteht die Gefahr der Abhängigkeit. Diese Gefahr ist bei Jugendlichen noch größer als bei Erwachsenen. Das Alter, in dem Alkohol zum ersten Mal konsumiert wird, hat zudem einen entscheidenden Einfluss auf die späteren Trinkgewohnheiten. Es lässt sich beobachten, je früher ein Jugendlicher zum ersten Mal Alkohol trinkt, desto mehr und häufiger trinkt er auch später.

Das Verbot bzw. die Einschränkung der Abgabe von alkoholischen Getränken an Kinder und Jugendliche bildet einen Schwerpunkt in der Vorbeugung gegen Alkoholmissbrauch. In der Öffentlichkeit, also auch bei öffentlichen Tanzveranstaltungen, dürfen an unter 18-Jährige keine harten Alkoholika verkauft werden. Dies trifft auf Getränkearten wie Schnaps und Liköre zu, aber auch auf Mixgetränke wie z.B. Wodka mit Red-Bull, Barcadi-Cola, Wodka mit Orangensaft.

In den letzten Jahren sind bei Jugendlichen zudem süße alkoholische Mixgetränke, die so genannten Alkopops, in Mode gekommen. Die Gefahr bei diesen Getränkearten liegt darin, dass die beinhalteten Schnäpse durch süße Zutaten und Aromastoffe überdeckt werden und die Jugendlichen oftmals nicht merken, dass sie in Wirklichkeit harten Alkohol trinken. Auch für Alkopops gilt: sie dürfen an unter 18-Jährige nicht verkauft werden. Weiche Alkoholika (z.B. Bier, Sekt) dürfen an Jugendliche ab 16 Jahren verkauft werden. An Jugendliche von 14 bis 16 Jahren dürfen Bier, Wein u. a. nur dann abgegeben bzw. deren Verzehr gestattet werden, wenn sie von einem Personensorgeberechtigten begleitet werden, der es ihnen ausdrücklich erlaubt.

4.3 Praktische Umsetzung
Obwohl Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren der Verzehr weicher Alkoholika erlaubt ist, sollte es das Ziel des Veranstalters sein, dass Jugendliche keine oder wenig alkoholische Getränke konsumieren und eher Alkoholfreies trinken. Durch eine entsprechende Preisgestaltung kann der Veranstalter Einfluss auf das Trinkverhalten Jugendlicher ausüben. Gemäß § 6 Gaststättengesetz ist dieser sogar gesetzlich verpflichtet, mindestens ein alkoholfreies Getränk nicht teurer zu verkaufen als das billigste alkoholische Getränk in gleicher Menge. Würden alkoholische Getränke generell teurer verkauft als alkoholfreie, könnte dadurch ebenfalls erreicht wer-den, dass weniger alkoholhaltige Getränke konsumiert werden.

Noch ein Wort zu den harten Alkoholika. Die Kombination von Bier und harten Alkoholika führt bei vielen Menschen zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft. Auch unter Berücksichtigung dieses Aspektes sollten sich Veranstalter überlegen, ob sie hochprozentige Getränke überhaupt anbieten wollen. Auch auf den Verkauf von Alkopops sollte bei Discoveranstaltungen, die überwiegend von Jugendlichen besucht werden, aus präventiven Gesichtspunkten gänzlich verzichtet werden. Wichtig ist auch das Verhalten der an der Veranstaltung beteiligten Erwachsenen – ihr Vorbild lässt oftmals Alkoholkonsum für Jugendliche als normal und nachahmenswert erscheinen. Aus diesem Grund sollten Erwachsene im positiven Sinn beispielhaft sein.

Leider lässt sich auch immer wieder beobachten, dass Erwachsene Jugendliche dazu animieren, Alkohol zu trinken. Besser ist es, Jugendliche zu motivieren, alkoholfreie Getränke zu sich zu nehmen.